Sie unterscheidet sich von anderen Vogelarten unter anderem dadurch, dass auf einer gedachten Achse vom Schnabel durch den Schädel nur Knochen liegen. Das Gehirn oberhalb dieser Achse bekommt von den Stößen nicht viel ab. Für den Menschen sind die Erkenntnisse über die anatomischen Besonderheiten beim Specht leider nur begrenzt nutzbar, zum Beispiel um Schutzhelme noch stoßfester zu machen

Der Kopf ist bekanntlich nicht ausschließlich zum Denken bestimmt. Spechte zum Beispiel benutzen ihren Kopf vorzugsweise als Hammer und Meißel oder zum Trommeln. Boxer gehen noch ein Stück weiter: Sie verwenden den Kopf sogar als Amboss – allerdings den des Gegners. Spechte zeigen auch nach stundenlanger Kopfarbeit keine Benommenheit und keinerlei Symptome einer Gehirnerschütterung. Denn der Spechtschädel ist dadurch gekennzeichnet, dass er sehr gerade verläuft und dass das Gehirn oberhalb dieser Achse sitzt. Während beispielsweise bei der Taube die Achse geradezu direkt durch das Gehirn verläuft.

Beim Specht läuft die Stoßwelle unter dem Gehirn vorbei und der Aufschlag hat viel weniger Auswirkungen. Außerdem gibt es noch ein komplexes Stoßdämpfersystem, das darin besteht, dass es Muskeln gibt, die entgegen dieser Schlagrichtung vorgespannt werden, die Wellen den Stoß abfangen und eine Art Federung erzeugen. Am Spechtschnabel befindet sich ein Knick, so dass die Kräfte hier nicht als Schlagkräfte entstehen, sondern am Schädel als Zugkräfte wirken. Ein Vorsprung verhindert, dass der Schnabel beim Hacken übermäßig “überbogen” und dadurch gebrochen oder beschädigt wird. Außerdem ist der Spechtschädel hinten etwas verstärkt. Er hat ein schwammiges Knochengewebe.

Dass der Specht unempfindlich ist gegenüber den eigenen Stößen, verdankt er also dem subtilen Zusammenspiel der Anatomie und Biomechanik seines Schädels. Zudem ist der Spechtkopf verhältnismäßig klein und das Hirn füllt – ohne Flüssigkeit – den Schädel fast vollkommen aus. Damit hat der Specht das Impulsgesetz auf seiner Seite. Und noch etwas kommt hinzu: Da Schädel und Schnabel eine Einheit bilden, ist der Kraftfluss zwischen Hammer und Meißel immer perfekt und das spart Energie.

Damit der Specht aber in Hartholz seine Höhlen hacken und über hundert Mal am Tag seine Anwesenheit durch Trommeln kundtun kann, darf biomechanisch betrachtet zu Hammerkopf und Meißel natürlich auch der Stiel nicht fehlen. Diese Funktion übernimmt der oberste Teil der Wirbelsäule. Zwei Muskelbündel bewegen die Einheit durch alternierendes Kontrahieren und Entspannen vor und zurück. Ein Prinzip, dass man eben nur teils auf die Konzeption von Sturzhelmen übertragen kann. Unser Hirn ist eben anders gebaut ist und sehr verletzlich.

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3 Comments on Vogelkunde?

  1. typhaon says:

    Der Schnabel ist gedämpft, sodass der Schlag nicht voll auf den Nacken schlägt. Außerdem haben die glaube ich ne ziemlich kräftige Halsmuskulatur um den Schlag abzufangen.

  2. Conny N says:

    Kam gestern im TV.RTLII.
    Weil sie wenig Gehirnflüssigkeit haben, das Gehirn nicht so frei schwimmt wie bei uns und dadurch bei Aufstössen nicht gegen die Schädeldecke geschleudert wird! Das verursacht nämlicht die Kopfschmerzen!
    Außerdem haben sie eine enorme Halsmuskulatur!

  3. mietze_katzen says:

    Sie unterscheidet sich von anderen Vogelarten unter anderem dadurch, dass auf einer gedachten Achse vom Schnabel durch den Schädel nur Knochen liegen. Das Gehirn oberhalb dieser Achse bekommt von den Stößen nicht viel ab. Für den Menschen sind die Erkenntnisse über die anatomischen Besonderheiten beim Specht leider nur begrenzt nutzbar, zum Beispiel um Schutzhelme noch stoßfester zu machen

    Der Kopf ist bekanntlich nicht ausschließlich zum Denken bestimmt. Spechte zum Beispiel benutzen ihren Kopf vorzugsweise als Hammer und Meißel oder zum Trommeln. Boxer gehen noch ein Stück weiter: Sie verwenden den Kopf sogar als Amboss – allerdings den des Gegners. Spechte zeigen auch nach stundenlanger Kopfarbeit keine Benommenheit und keinerlei Symptome einer Gehirnerschütterung. Denn der Spechtschädel ist dadurch gekennzeichnet, dass er sehr gerade verläuft und dass das Gehirn oberhalb dieser Achse sitzt. Während beispielsweise bei der Taube die Achse geradezu direkt durch das Gehirn verläuft.

    Beim Specht läuft die Stoßwelle unter dem Gehirn vorbei und der Aufschlag hat viel weniger Auswirkungen. Außerdem gibt es noch ein komplexes Stoßdämpfersystem, das darin besteht, dass es Muskeln gibt, die entgegen dieser Schlagrichtung vorgespannt werden, die Wellen den Stoß abfangen und eine Art Federung erzeugen. Am Spechtschnabel befindet sich ein Knick, so dass die Kräfte hier nicht als Schlagkräfte entstehen, sondern am Schädel als Zugkräfte wirken. Ein Vorsprung verhindert, dass der Schnabel beim Hacken übermäßig “überbogen” und dadurch gebrochen oder beschädigt wird. Außerdem ist der Spechtschädel hinten etwas verstärkt. Er hat ein schwammiges Knochengewebe.

    Dass der Specht unempfindlich ist gegenüber den eigenen Stößen, verdankt er also dem subtilen Zusammenspiel der Anatomie und Biomechanik seines Schädels. Zudem ist der Spechtkopf verhältnismäßig klein und das Hirn füllt – ohne Flüssigkeit – den Schädel fast vollkommen aus. Damit hat der Specht das Impulsgesetz auf seiner Seite. Und noch etwas kommt hinzu: Da Schädel und Schnabel eine Einheit bilden, ist der Kraftfluss zwischen Hammer und Meißel immer perfekt und das spart Energie.

    Damit der Specht aber in Hartholz seine Höhlen hacken und über hundert Mal am Tag seine Anwesenheit durch Trommeln kundtun kann, darf biomechanisch betrachtet zu Hammerkopf und Meißel natürlich auch der Stiel nicht fehlen. Diese Funktion übernimmt der oberste Teil der Wirbelsäule. Zwei Muskelbündel bewegen die Einheit durch alternierendes Kontrahieren und Entspannen vor und zurück. Ein Prinzip, dass man eben nur teils auf die Konzeption von Sturzhelmen übertragen kann. Unser Hirn ist eben anders gebaut ist und sehr verletzlich.

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